Tipps und Tricks

Speiseöl zur Behandlung von Holz, geht das?

 

Nicht nur im Internet kursiert die Behauptung man könnte Schneidbretter mit handelsüblichem Speiseöl – wie etwa Olivenöl oder Sonnenblumenöl – vor Feuchtigkeit,  Flecken oder sonst was schützen. Diese Annahme rührt wohl daher, dass beim Gedanken an Lebensmittel-zubereitung und natürlichem Holz reflexartig an essbares Öl gedacht wird.

Dieser kleine Bericht soll verständlich machen worauf es beim Holzschutz mit Öl ankommt und welche Fehler man unbedingt vermeiden sollte.

Zuerst sollte man wissen dass pflanzliche Öle in drei Kategorien unterteilt werden; nämlich nichttrocknenden, halbtrocknenden und trocknenden – auch fette Öle genannt. Die Bezeichnung “trocknen” meint bei Öl nicht das Verdunsten eines Lösemittels bei dem der Feststoff zurückbleibt. Trocknung heisst bei Öl die Aushärtung durch Aufnahme von Sauerstoff, also Luft – auch Oxidation genannt. Warum das einige Öle besser können als andere hängt damit zusammen wie hoch der Anteil an ungesättigten Fettsäuren ist. Je höher dieser ist, desto mehr steht für den chemischen Prozess zur Verfügung. Dabei lösen auf atomarer Ebene die Sauerstoffatome aus der Luft an den Ölmolekülen (Triacylglycerine) eine Vernetzung (Polymerisation) untereinander aus. Das Ergebnis ist bei Leinöl übrigens als Linoxin oder Linoxyd bekannt und der Ausgangsstoff für Linoleum und Linkrusta. Um die Aushärtung  geeigneter Ölsorten (wobei Leinöl den Hauptanteil stellt) zu beschleunigen, werden diesen oft noch Trocknungsstoffe (Sikkative) zugesetzt.

Öl mit zu wenig ungesättigten Fettsäuren kann nicht aushärten und bleibt bestenfalls klebrig. Das wäre an sich nicht schlimm, allerdings enthält  Speiseöl generell eine ganze Reihe verderblicher Inhaltsstoffe wie Enzyme, Schleimstoffe und Eiweiße. Werden diese Bestandteile nicht entzogen, zieht das Öl zwar in das Holz ein (versickert) aber dort wird es ranzig – d.h. es wird bitter und fängt an zu stinken. Um es für die Holzbehandlung brauchbar zu machen müssen diese Stoffe immer aufwendig entfernt werden, was auch den Preisunterschied zwischen Roh-Leinöl als Futtermittel für Pferde und Leinöl als Basis zur Holzbehandlung erklärt. Es reicht also alleine nicht aus wenn ein Öl einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren hat, es muss auch noch gereinigt sein um nicht zu verderben.

In der Küche kommen nur ungereinigte (unraffinierte) Öle zum Einsatz, alles andere wäre aufgrund fehlender Geschmacks-und Inhaltsstoffe auch Unsinn. Holzschutz sollte keine Angelegenheit mit Verfallsdatum sein, sondern eine dauerhafte und neutral riechende Schicht die sich durch den täglichen Gebrauch rein mechanisch abnutzt.

Geeignete Öle für den Kontakt mit Lebensmitteln sind: gereinigtes Leinöl (Lackleinöl), raffiniertes Walnussöl und Mohnöl. Diese drei haben den bereits erwähnt hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren und sind lebensmittelecht. Im asiatischen Raum wird zudem – obwohl nicht härtend – Kamelienöl verwendet (hauptsächlich zur Vorbeugung von Rost an Messerklingen), in nordischen Ländern ist Paraffinöl (mineralische Basis) verbreitet. Bei deren Anwendung wird keine widerstandsfähige Schicht erzielt, sondern lediglich durch Blockade das Eindringen von Fremdstoffen verhindert.

Zusammengefasst heißt das also:

  • Öl auf jeden Fall gereinigt, also frei von Eiweißen, Schleimstoffen usw.
  • hoher Anteil ungesättigter Fettsäuren für die Fähigkeit zur Aushärtung
  • wenn schon nichthärtende Öle dann lebensmittelecht und gereinigt

Noch ein paar Worte zum Thema Holz:

Die Verbreitung von Rotbuche bei Küchenutensilien (Bratwender, Rührlöffel, Schneid-bretter) liegt nicht in der besonders guten Haltbarkeit begründet, sondern in der Beschaffenheit der Struktur und geografischen Verbreitung als Nutzholz.  Buche ist kurzfaserig, das heißt sie bricht mit sehr kurzen Splittern. Das ist gerade bei Eisstilen, Zahnstochern und Kochlöffeln ein großer Vorteil, denn dadurch sinkt die Verletzungsgefahr erheblich. Im Bereich Dauerhaftigkeit, Pilzresistenz und Stehvermögen liegt sie ganz weit hinten, deshalb werden aus ihr keine Fenster, Haustüren oder Produkte für den Außenbereich gefertigt.