Erst lachten alle über dieses Brettchen, doch nach 2 Jahren lachte ich


Wenn auch Sie zu denen gehören die solche Rezepte scheuen bei denen viel geschnitten werden muss, dann wird Sie mein Vorschlag begeistern!

Hallo ihr Heimköche und Köchinnen,

ja ich weiß, kochen muss schnell gehen – es gibt ja schließlich noch anderes zu tun. Am Wochenende hat man mehr Zeit und da kann man die Schneidarbeit auch auf die anderen verteilen. Notfalls bleibt einem selbst noch genügend Puffer da man ja nicht direkt nach der Arbeit zum Supermarkt hetzen muss um im Anschluss und im Schweinsgalopp direkt was essbares auf den Tisch stellen zu müssen. Haben ja alle Hunger wenn sie nachhause kommen.

Soll man sich unter der Woche denn bekloppt machen? Um ehrlich zu sein vermeidet man doch deshalb das “aufwendige” kochen da man viel zu lange für das Schneiden der Zutaten braucht. Wäre ja eigentlich perfekt wenn man die Sachen bereits fertig geschnitten und abgewogen kaufen könnte. Oder man reißt einfach eine Packung auf – wobei gesund ist das auch nicht immer. Und was sollen die Leute von einem denken?

Gesunde Ernährung und frisches kochen ist doch auch ein Zeichen von Bildung – wer will denn schon in dem Punkt negativ auffallen? Naja, kochen wie die Profis – sprich fast jeden Tag was neues – ist halt was für Leute mit zu viel Zeit oder fürs Wochenende wenn alle mithelfen. Solange zieht man eben sein Standardprogramm durch…

Gibt es da wirklich keine andere Lösung außer einen Koch einstellen zu müssen? Oder muss man selbst einer sein? Es muss doch reichen dass man selbst gerne isst und sich halbwegs dafür interessiert...

Lesen Sie bitte weiter…

Ein Geschenk für Mama

 

Als Kind war das immer toll – Mama kochte und man stand in der Küche dabei und sah zu wie sie die Zutaten für das Mittagessen schnippelte. Sie hatte immer so ein kleines Messerchen mit einem Plastikgriff. Damit hat sie quasi alles gemacht: Kartoffeln geschält, die Zwiebeln geschnitten (hach und wir haben nicht verstanden woher die Tränen kommen) und die Kräuter gehackt.

Das Essen schmeckte besonders gut – innerlich wussten wir schon als Kinder dass die Mahlzeit mit viel Liebe und vor allem Mühe zubereitet wurde. Mama hatte auch früher immer kleine Plastik – und Holzbretter die sie nach getaner Arbeit in der Küchenschublade verstaute. Als die erste Spülmaschine angeschafft wurde um die Arbeit zu erleichtern landete alles was nicht Niet-und Nagelfest war im Spüler. Es war schon ein Segen wie viel Zeit dadurch gespart wurde und als Kind war man dann froh wenn der Küchendienst nur noch darin bestand innerhalb von ein paar Minuten die Maschine aus-und wieder einzuräumen.

Als man dem Kind sein entwachsen war und über eigenes Einkommen verfügte, kam natürlich der Tag an dem man seiner Mutter zum Geburtstag oder Weihnachten etwas gutes tun wollte. Der Blick ins Schaufenster eines großen Haushaltswarengeschäfts brachte dann die Erleuchtung: Mama braucht endlich ein schönes stabiles Schneidebrett! Irgend wie kann man mit so etwas ja auch die jahrelangen Kochdienste würdigen. Von alleine würde sie sich so etwas selbst niemals kaufen. Gesagt getan – und sie freute sich an Weihnachten wirklich sehr darüber, gerade weil es auch noch vom Lehrlingsgehalt war.

Immer wenn ich zu Besuch kam stand das Brett stolz in der Küche und auf Nachfrage war auch alles bestens damit. Was ich nur nicht wusste war,  das Mama es nur so gut wie nie benutzte. Sollte Sie etwa keinen Gefallen an so etwas haben? Das konnte ich mir eigentlich nicht vorstellen. Nach einiger Zeit fragte ich dann mal zart nach und erhielt die verblüffende Antwort: ” Ach weißt Du, das Brett finde ich viel zu schade zum benutzen, das war doch teuer und es ist zu schön. Außerdem ist es mit zu groß und zu schwer, da bleibe ich lieber bei meinen kleinen Brettchen, die bin ich gewöhnt und kann sie auch leichter spülen.”

Na toll, da versucht man jemandem zu helfen und was erntet man? Übertriebene Demut…Mit anderen Worten: Sind die schönen und guten Dinge den nur um anschauen und hinstellen? Gehört es auch nicht dazu sich mal was zu gönnen und sich selbst die gerechte Anerkennung seiner Arbeit bewusst zu sein? Wobei es hier ja nicht um Verschwendungssucht geht, sondern einfach um Freude bei der Arbeit. Alles was ich wollte war doch nur das meine Mutter es leichter hat und nicht mehr mühevoll mit kleinem Messerchen und rutschenden Brettchen Ewigkeiten braucht bis alles geschnitten ist. Das ist als ob man die guten Gläser im Schrank stehen hat um auf den würdigen Tag zu warten an dem man sie benutzen darf und bis dahin den Wein aus dem alten Senfglas trinkt.

 

Wir werden darauf später noch einmal zurückkommen.

Ist es denn wirklich nicht möglich etwas schönes zu haben bei dem man kein schlechtes Gewissen während der Benutzung haben muss?

Zuerst einmal: Es gibt begründete Hoffnung!

Gerade in dem Bereich “Kochen” gibt es ein riesiges Problem was sich wie folgt erklären lässt: Der normale Mensch lernt das nie professionell, er übernimmt das was er von zuhause aus gewohnt ist. Viele verstehen auch nicht das es sich dabei um ein Handwerk handelt, also letztlich viel von der Übung im Umgang mit den Handwerkszeugen abhängt. So weit so gut. Jetzt kommt aber noch ein Punkt hinzu: Ob ich mich in eine Sache richtig hineinknie hängt davon ab wie flüssig ich die Arbeits -und Lernfortschritte bei mir selbst sehe. Wenn ich also jeden Tag eine bestimmte Sache immer wieder tun muss (für viele ist das Kochen zu einer Pflichtaufgabe verkommen), weshalb macht man sich dann das Leben unnötig schwer?

 

Die Antwort ist sehr banal aber auch sehr zutreffend:

 

Der normale, nicht berufliche Koch – ergo Hausfrau – hat nicht verstanden dass er im Grunde die gleichen qualitativen Ansprüche an sein Arbeitsgerät hat wie jemand der das 8 Stunden am Tag macht. Ist doch logisch, man hat ja auch die gleichen Anforderungen an das Endergebnis.

Um bei diesem Thema zu bleiben; kochen beginnt mit schneiden. Dazu notwendig sind erst einmal ordentliche Messer. Ist das Messer nicht scharf ist die Sache gleich zum scheitern verurteilt. Wenn der erste Schnitt schon lange dauert und die Zwiebel wegflutscht wird wohl kaum jemand absolute Arbeitsfreude verspüren. Die kommt immer erst dann wenn man Arbeitsfortschritte in einer bestimmten Mindestgeschwindigkeit sieht und spürt. Eine Diät macht ja auch nur dann wirklich Lust wenn man sieht das sich was auf der Waage tut.

Mal als Tipp da wir gerade dabei sind:

Ein scharfes Messer ist nicht wirklich gefährlich, sondern ein stumpfes da man es mit viel mehr Kraft führen muss und man nie weiß wann es vielleicht unkontrolliert abrutscht. Man muss auch nicht so schnell schneiden können wie ein Koch. Der kann das schnell und sicher gerade weil das Messer scharf ist, stumpf kann auch er das nicht. Ob man ein Messer mit europäischer Form benutzt oder eines mit japanischer ist eigentlich egal. Europäische werden mit dem Wetzstahl abgezogen, was sowieso kein echtes schärfen ist. Leichter hat man es in der Regel mit japanischen Messern aus Kohlenstoffstahl. Diese ganze Damaszener-Geschichte hat hauptsächlich prestigerelevante Gründe in der Herstellung, da diese wirklich sehr schwierig ist.

Genau so wichtig wie ein Messer ist die Unterlage – also Schneidebrett.